Generalüberholung Bass-Saxophon Conn NW2
Dieses wunderschöne Exemplar eines Conn New Wonder II Bass-Saxophons zeichnet sich durch eine detaillierte großformatige Gravur auf dem Becher aus.
Da das Conn nachlackiert (re-lacquered) ist, war die Gravur vom Poliervorgang verblasst. Vor der anstehenden Generalüberholung wurde diese Gravur durch einen Fachbetrieb nachgestochen und kann so wieder in voller Pracht bewundert werden.
Es hat gerollte Tonlöcher und den Plumber-Style-Neck (S-Bogenvariante mit unterer Biegung).
Bemerkenswert am Setup des Basses sind die hier verbauten großen Polster-Resonatoren vom Typ "Maestro-Star". Die Polster selbst könnten noch aus dem Originalbestand von Conn stammen. Diese Kombination erscheint ungewöhnlich. Eventuell wurden in der Vergangenheit nur die Resonatoren der Polster getauscht (was ein immenser Arbeitsaufwand gewesen sein dürfte) oder ein alter Polstersatz wurde in späteren Zeiten umgebaut und bei der letzen Überholung verwendet.
Der Korpus war an der oberen Biegung lose. Nach dem Ablöten der Stützen wurde klar, dass kaum Lot in der Verbindung war. Nach dem Ausbeulen und Einlöten der ebenfalls losen Oktavhülse wurden beide Korpusteile wieder vereint. Der hitzempfindliche Nitrolack konnte das nicht ganz spurlos wegstecken, dennoch kann das Ergebnis als gelungen gelten.
Manche Federn weisen einen Durchmesser von 1,6mm auf, was im Saxophonbereich eigentlich nur bei alten Bässen zu finden ist. Bei Pisoni in Italien sind solche Federn beziehbar (Stand 2026).
Eine weitere Besonderheit in der Mechanik ist eine Doppelspitze, auf welcher von beiden Seiten Mechanikelemente aufgehangen sind. Diese Spitze ist nicht eingeschraubt sondern geklemmt. Der feste Sitz muss nach einem Ausbau wieder hergestellt werden, um Problemen bei der Feinregulation der Mechanik zu begegenen.
Was zunächst wie eine lose Achse aussieht, ist tatsächlich ab Werk so konzipiert. Der herausragende Stift ist eine Art Steckachsenverbindung, was wohl der besseren Zugänglichkeit der Achse dienen sollte.
Die gründliche Reinigung eines Basses ist aufgrund der Größe nur unter der Dusche möglich. Dabei ist auch die Reinigung des Inneren der Schallröhre wichtig, denn alte Bässe tragen oft Schimmelsporen und andere Überraschungen in sich, da der zeitliche Abstand von Generalüberholungen weit größer sein dürfte als bei der restlichen Saxophonfamilie.
Der neue Polstersatz wurde für die Klappendeckelgröße maßgefertigt und mit Plastikresonatoren mittlerer Größe ausgestattet. Dies dürfte akustisch dem originalen Conn-NW2-Aufbau am weitesten entsprechen.
Zum Einbau der Polster kommt bewährter Schellack zum Einsatz.
Als intonatorische Optimierung wurde im Tonloch des oberen Palm-D's ein Halbmond aus PMMA eingeklebt, so dass der Ton viel einfacher intonierbar ist.
Um dem Flexen der H-Klappe zu begegnen (langer Hebel), wurde ein Kork-Filz-Anschlag unter den Drücker gesetzt. Dies ergibt ein präziseres Griffgefühl und verhindert versehentliches Verbiegen des Drückers.
Das fertige Instrument zeichnet sich durch seine für Bässe sehr gute Intonation aus. Die Ansprache ist mühelos und der Ton gewaltig.