Saxophon-Generalüberholung 

Unter einer Generalüberholung verstehe ich den kompletten Neuaufbau des Saxophons, mit Austausch aller Polster, Überarbeitung der Mechanik und optimaler Einstellung. Ein abgespieltes Instrument wird so wieder wie neu, mit perfekter Ansprache und leichter Spielbarkeit. 

Aufgrund der Vielzahl an Arbeitsschritten und des Zeitaufwands handelt es sich hierbei um die teuerste aber auch gründlichste und nachhaltigste Variante der Saxophonreparatur.

Die hier angebotenen Generalüberholungen haben den größtmöglichen Umfang. Die Mechanik des Saxophons wird so optimiert, so dass die Spielbarkeit und das Handling des Instruments spürbar verbessert wird.

Als Polster und Anschlagsmaterialien kommen nur hochwertige Materialien zum Einsatz, welche sich in meiner langjährigen Praxis in der Saxophonreparatur bewährt haben.

Die Überholungen halten professionellen Ansprüchen stand und sorgen für eine langfristige optimale Spielbarkeit Ihres Instruments.

Demontage und Reinigung

Nachdem das Instrument zunächst analysiert wurde (Klappenaufgänge, spielerspezifische Einstellungen und mögliche Problemfelder), wird das Saxophon in alle Einzelteile zerlegt und gereinigt.
Mitunter stößt man hierbei auf rostige, festsitzende Achsen und Spitzschrauben, gelöste Lötstellen, Beulchen, verzogene Mechanik oder hartnäckige Verschmutzungen.

Sobald alles demontiert ist, werden die alten Polster aus den Klappen gelöst und entsorgt, alte Korken und Anschlagsfilze entfernt sowie Röhrchen und Führungen von Ölrückständen gereinigt. Achsen und Fingerroller werden mit Alkohol gesäubert und wenn nötig entrostet.
Die Klappenmechanik, S-Bogen und der Korpus kommen ins Ultraschallbad, wo der festsitzende Dreck aus den Ritzen und unzugänglichen Stellen gelöst wird.

Nach sorgfältiger Trocknung werden die Nadelfedern gepflegt und geölt, so dass eine möglichst lange Lebensdauer derselben gewährleistet ist. Pflegemittel helfen, den Korpus und die Mechanik wieder auf Glanz zu bringen. Versilberte Instrumente können hierbei gegen einen Aufpreis ebenfalls wieder auf Hochglanz gebracht werden, was aber sehr aufwendig und langwierig ist. 

Arbeiten am Korpus und Überarbeitung der Mechanik

Erst nachdem alle dämpfenden und lückenfüllenden Dreck- und Ölrückstände entfernt sind, zeigt sich der wahre Zustand des Instruments:
Mechanik ist oft ausgeschlagen, hat Spiel, klappert. Der Korpus weist mitunter kleine Beulen und Verzug auf. Die Verbindung von Schallröhre zu Knie und Schalltrichter kann undicht sein. Lötverbindungen mancher Säulchen können sich ganz oder teilweise gelöst haben, Oktavhülsen können abgelöst sein. Die Verbindung von S-Bogen und Korpus ist oft suboptimal und undicht.

Hier setzen umfangreiche Arbeiten zur Optimierung der "Knochen" des Saxophons an. Nachdem die Ausbeularbeiten erledigt und optische Mängel soweit möglich beseitigt sind, beginnt der schwierigste Teil: Die Neuanpassung der Mechanik.

Hierbei werden die Achsen begradigt und auf Flucht gebracht, Spiel der Achsen in den Säulchenführungen entfernt, die Mechanik auf die Achsen eingezogen, so dass kein radiales oder axiales Spiel mehr vorhanden ist. Dadurch gewinnt das Instrument ans Präzision und bekommt ein Spielgefühl, welches in aller Regel eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Auslieferungszustand darstellt.

Spitzschrauben werden so angepasst, dass kein Spiel mehr vorhanden ist, aber auch keine schwergängige Action entsteht. Diese mechanischen Verbesserungen dienen nicht nur dem Spielgefühl -  sie sind auch die Grundlage für einen guten und dauerhaft optimalen Sitz der Polster. Somit bleibt das Instrument auch lange Zeit nach der Überholung dicht und perfekt spielbar.

Polsterung, Anschläge und Dämpfungsmaterialien

Die Polster des Saxophon sind zentraler Bestandteil für die Action und das Spielgefühl des Instruments.

Das Anschlagsgefühl wird durch Auftreffen der Polster auf den Tonlochkaminen bestimmt. Zu weiche Polster (d.h Filze in den Polstern) sorgen für ein undefiniertes, schwammiges Anschlagsgefühl, welches den Spielfluss negativ beeinflusst. 
Sind die Polster hingegen zu hart, entstehen laute Anschlagsgeräusche und über die Zeit wahrscheinlich vermehrt Undichtigkeiten, da der Filz hier unzureichend kompensiert.

Die hier zumeist verwendeten Polster sind aus eigener Produktion und bestehen aus hochwertigen Materialien:
Gewebter Filz aus der Filzfabrik Neumann bilden den Kern mit hervorragendem Anschlagsgefühl und idealer Festigkeit.
Pneumatisches Leder, welches dem Orgelbau entstammt, sorgt für Polster, welche auch wirklich dicht sind (ein oft zu wenig beachtetet Aspekt!). 
Durch Behandlung mit ausgewählten Imprägnierungsmitteln bleiben die Polster lange beständig und sorgen für andauernde Spielfreude mit langen Wartungsintervallen.
Zudem können Polstersätze spezifisch für Ihr Instrument hergestellt werden, mit optimaler Passung auf die Klappendurchmesser, was für eine gute Stabilität im Polstersitz sorgt. 

Die Auswahl der weiteren Materialien, die für Anschläge, gleitende Verbindungen und Mitnahmen verbaut werden, entstammt aus langjähriger Erfahrung in der Saxophonreparatur, so dass eine ausgewogenes Verhältnis von Funktion und Langlebigkeit gewährleistet ist.

Zusammenbau und Justage

Bei der Montage des Saxophons wird jedes Polster auf optimalen Sitz eingestellt. Dabei ist entscheidend, dass das Polster allseitig gleichzeitig auf dem Tonlochkamin auftrifft, so dass ein definiertes Spielgefühl und eine optimale Dichtheit gleichermaßen gewährleistet sind.
Die sogenannten Zusammengänge werden spielfrei justiert, so dass nie das Gefühl von Mehrfachanschlägen oder totem Gang entsteht. Das Saxophon wird so zum Präzisionsinstrument - egal ob langsame Ballade oder Up-tempo Bebop-Jazz -  die Finger sollen Freude haben und über die Klappen tanzen!

Gleichzeitig wird darauf geachtet dass die Mechanik keine ungewollten Nebengeräusche erzeugt. Durch die geeigneten Materialien bei den Anschlägen, aber auch durch die richtigen Schmiermittel an den richtigen Stellen wird dies gewährleistet. 

Feineinstellungen, Probespiel und Qualitätskontrolle

Sobald das fertig montierte Instrument vorliegt, prüfe ich die Spielbarkeit über den gesamten Tonumfang des Instruments.
Federstärken, welche aus dem Gesamtbild herausfallen, werden eingestellt, einzelne Drücker, welche zu hoch oder zu niedrig sind, werden in die richtige Position gebracht. Letzte Feinheiten in der Gängigkeit werden optimiert.

Beim Probespielen zeigt sich schließlich, wie das Saxophon anspricht, wo noch Feinheiten bei den Klappenöffnungen zu justieren sind, und wo die letzten Details im mechanischen Zusammenspiel herauszuholen sind. Erst wenn der gesamte Tonumfang frei klingt und so gut wie möglich intoniert, ist die Hauptarbeit beendet.

Der letzte, wichtige Schritt ist die Qualitätskontrolle. Ein generalüberholtes Saxophon kann nicht direkt nach getaner Arbeit an den Kunden weiterreicht werden. Es muss beobachtet werden, wie die verbauten Materialien sich setzen. Oft müssen Polster nach einem oder mehreren Tagen nachjustiert werden, Kork oder Filz kann unter Belastung ein wenig nachgeben. Manchmal fallen am Folgetag Dinge auf, die in der Betriebsblindheit der fortschreitenden Arbeit untergegangen sind.

Erst nach mehrmaligem Beschauen und Testen kann endgültig von einer fehlerfreien und optimalen Arbeit ausgegangen werden. Dann ist die Generalüberholung beendet und das Saxophon kann Ihnen, egal ob Gelegenheitsspieler oder Profi, wieder viele Jahre Freude und Spielspaß vermitteln.

Preise und Bearbeitungsdauer

Da jedes Saxophon individuell einzuschätzen ist, können an dieser Stelle nur grobe Richtwerte angegeben werden. Hierbei ist zu unterscheiden, ob es sich um ein sehr altes (Vintage) Saxophon handelt, welches einen stark erhöhten Bearbeitungsaufwand erfordert oder etwa um ein modernes, wartungsfreundliches Instrument, welches vielleicht schon eine gute Überholung mit mechanischer Optimierung erfahren hat.
Folgende Preise sind daher unverbindlich und dienen nur der Orientierung:

Sopran-, Alt- und Tenorsaxophon: 700 - 1200 Euro
Bariton-Saxophon: 1200 - 1600 Euro
Bass-Saxophon: 1800 - 2300 Euro

Die Reparaturdauer hängt gleichermaßen vom Aufwand ab. Im Schnitt sollte das Instument aber wenigstens zwei Wochen (v.a. wegen der Qualitätskontrolle) bei mir bleiben können, um eine optimale Qualität zu erhalten.